Rückblick Teil 17 bis 20


Am Beispiel eines vollbesetzten Kinos referiert Prof Vinzenz Accola über die Widersprüche zwischen dem Einzelinteresse und dem Interesse des Gesamten, die sich aus dem Konkurrenzprinzip ergeben, insbesondere dann, sobald es über alle Sinnhaftigkeit hinaus betrieben wird.
Das Kinobeispiel geht so:
Wenn in einem vollbesetzten Kino ein Zuschauer aufsteht, sieht er besser als alle anderen. Wenn alle aufstehen, sehen wieder alle gleich gut bzw. gleich schlecht, der Vorteil ist nicht nur dahin, es geht allen schlechter, weil sie nun stehen statt sitzen.
Denkt man die Vorteilssuche des Einzelnen konsequent weiter, kommt man zu dem Schluss, dass nun einige auf ihre Stühle zu steigen, um wieder besser sehen zu können. Wenn alle auf die Stühle steigen, ist der Vorteil wieder dahin und alle stehen noch unbequemer.
Die Vorteilssuche ist damit aber noch nicht zu Ende. Um wieder besser sehen zu können, werden jetzt Einzelne versuchen, auf die Schultern der anderen zu klettern … Wenn dies andere ihnen gleichtun und wiederum andere auf deren Schultern klettern usw., entsteht – streng der Logik des Konkurrenzprinzips gehorchend – eine Menschenpyramide, die sich immer höher aufschichtet, ihr Ende schliesslich unsanft an der Decke findet. Die Hierarchisierung der Menschen ist die Folge, die sich in Träger und Getragene spalten.
Wegen eines Schwächeanfalls von Prof. Accola konnte die Frage, wie sich ein solcher Zustand wieder auflösen lässt, nicht mehr angesprochen werden …

Im Gespräch mit Sturm Kyrill erinnert sich Prof Accola an das Desaster auf dem Kongress in Phoenix. Seine amerikanische Kollegen erweisen sich unbeirrt als nicht erreichbar in der Überzeugung von der Unschlagbarkeit des technischen Fortschritts, der alle Probleme, die er schafft, auch wieder selbst zu lösen vermag. Accolas These von der Grenzüberschreitung wird geradezu verrissen. Die technologische Entwicklung werde immer weiter aufwärts gehen. Sie brauche keine Grenzen zu überschreiten, sie schiebe sie einfach vor sich her, so der Tenor ihrer Argumente. Da sei schon immer schon so gewesen und werde immer so bleiben.

Vor so viel einseitiger Fixierung mit Tunnelblick flieht Prof Accola in die Abgeschiedenheit des Grand Canyon, um sein seelisches Gleichgewicht wiederzufinden.
Aber dort holt ihn die Erinnerung an ein unglückliches Erlebnis aus Jugendtagen ein, das sein Leben stärker beeinflusste, als er sich selber eingestehen will. Auf einer Radtour mit seinem Freund landet er in einem französisch baskischen Fischerörtchen bei Biarritz. Auf dem dortigen Kirchweihfest ist unter anderem eine Kirmesrotunde aufgebaut, auf der die Dorfjugend und bald auch Vinzenz und sein Freund begeistert herumtoben. Das Ganze ist nicht ungefährlich.
Irgendwann passierte es, die Rotunde läuft schneller und schneller, sie lässt sich nicht mehr abstellen. In Panik versucht sich jeder an jedem festzuhalten. Als Vinzenz spürt, dass sich sein Freund verzweifelt mit beiden Händen an seinen Fuss klammert, um nicht herunterzufliegen, tut er das Ungeheuerliche. Um nicht auch noch hinabgerissen zu werden, tritt er so lange mit dem freien Fuss gegen die Hände des Freundes, bis dieser loslässt …

Wieder in seiner Vorlesung erläutert Prof Accola den Kurvenverlauf des Ertragsgesetzes mit Blick auf die Ableitung des Turgoteffekts.

Als erstes wendet er sich dem Wendepunkt zu.
Unterhalb wird die Ertragsentwicklung tendenziell unterschätzt, man wird vom tatsächlich eintretenden Ertrag positiv überrascht.
Oberhalb wir die Ertragsentwicklung tendenziell überschätzt, man wird vom tatsächlich eintretenden Ertrag negativ überrascht.

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